
Nach einem Todesfall brauchen Sie die Sterbeurkunde für fast alles, was folgt: Rente, Krankenkasse, Bank, Versicherungen und Erbschein. Ausgestellt wird sie vom Standesamt, in dessen Bezirk der Mensch gestorben ist, nicht vom Standesamt am Wohnort. Die ersten Exemplare beantragt meist das Bestattungsunternehmen, weitere können Angehörige selbst bestellen, vielerorts auch online. In Berlin und München kostet eine Urkunde zum Beispiel 12 Euro.
Wo beantragen Sie eine Sterbeurkunde?
Zuständig ist immer das Standesamt am Sterbeort. Nach § 28 Personenstandsgesetz (PStG) muss der Tod dem Standesamt, in dessen Zuständigkeitsbereich der Mensch gestorben ist, spätestens am dritten auf den Tod folgenden Werktag angezeigt werden. Dieses Standesamt beurkundet den Sterbefall im Sterberegister und stellt anschließend die Sterbeurkunden aus.
Das ist wichtig, wenn jemand nicht zu Hause gestorben ist, sondern etwa im Krankenhaus einer anderen Stadt oder im Urlaub. Das Service-Portal Berlin formuliert es so: Zuständig ist das Standesamt des Bezirks, in dem die Person verstorben ist, unabhängig vom Wohnsitz. Wer nur weiß, dass jemand in Berlin gestorben ist, aber nicht, welches Standesamt den Sterbefall beurkundet hat, kann dort eine Suche beauftragen, die je nach Aufwand 20 bis 80 Euro kostet und bis zu acht Monate dauern kann. Ein Anruf beim Bestattungsunternehmen klärt die Frage meist schneller.
Wer zeigt den Sterbefall beim Standesamt an?
Bevor es eine Sterbeurkunde gibt, muss der Tod angezeigt werden. Nach § 29 PStG ist dazu zuerst verpflichtet, wer mit der verstorbenen Person in einem Haushalt gelebt hat, danach die Person, in deren Wohnung der Tod eingetreten ist, und dann jede andere Person, die beim Tod dabei war oder davon aus eigenem Wissen unterrichtet ist. Stirbt jemand im Krankenhaus, Pflegeheim oder einer ähnlichen Einrichtung, zeigt nach § 30 PStG die Einrichtung den Tod an.
In der Praxis übernimmt das fast immer das Bestattungsunternehmen. Die Landeshauptstadt München schreibt dazu, dass in der Regel das beauftragte Bestattungsunternehmen die Sterbeurkunde beantragt und Angehörige meist nicht persönlich ins Standesamt kommen müssen. Sie können dem Bestatter sagen, wie viele Exemplare Sie brauchen. Eine Übersicht über alle Aufgaben der ersten Tage finden Sie in unserer Checkliste für den Todesfall.
Wer darf eine Sterbeurkunde beantragen?
Sterbeurkunden sind nicht für jeden zugänglich. Nach § 62 Abs. 1 PStG erhalten Ehegatten, Lebenspartner, Vorfahren und Abkömmlinge eine Urkunde auf Antrag, ohne ein besonderes Interesse nachweisen zu müssen. Geschwister müssen ein berechtigtes Interesse glaubhaft machen. Alle anderen Personen brauchen ein rechtliches Interesse, etwa als Erbe oder Gläubiger. Antragstellende müssen älter als 16 Jahre sein.
Andere Personen können mit einer schriftlichen Vollmacht einer berechtigten Person handeln. Das Service-Portal Berlin nennt als Nachweis für ein rechtliches Interesse zum Beispiel einen Erbschein oder einen Grundbuchauszug. Ehe- und Lebenspartner sowie Kinder und Enkel sind also immer berechtigt. Nichten, Neffen oder Lebensgefährten ohne Trauschein müssen dagegen begründen, wofür sie die Urkunde brauchen.
Welche Unterlagen brauchen Sie?
Hier ist zu unterscheiden. Für die erste Beurkundung des Sterbefalls verlangt das Standesamt die Originale der persönlichen Dokumente. Am Beispiel München sind das:
die ärztliche Todesbescheinigung, und zwar den vertraulichen und den nicht vertraulichen Teil
bei Ledigen die Geburtsurkunde
bei Verheirateten oder in eingetragener Partnerschaft Lebenden die Ehe- oder Lebenspartnerschaftsurkunde
bei Verwitweten zusätzlich die Sterbeurkunde des früheren Ehepartners
bei Geschiedenen das Scheidungsurteil mit Rechtskraftvermerk
bei ausländischen Staatsangehörigen den Reisepass oder Personalausweis
In manchen Fällen kommen weitere Papiere hinzu. Stimmt der aktuelle Name nicht mit den Urkunden überein, etwa nach einer Namensänderung, kann ein Nachweis darüber nötig sein. Ist die Todesursache ungeklärt oder nicht natürlich, braucht das Standesamt nach Angaben der Stadt München zusätzlich eine Mitteilung der Kriminalpolizei. Und lag der letzte Wohnsitz im Ausland, wird ein Nachweis darüber verlangt. Das Bestattungsunternehmen weiß in der Regel, welche Unterlagen im konkreten Fall fehlen.
Wenn Sie später weitere Exemplare bestellen, ist es einfacher. Sie brauchen dann vor allem Ihren Personalausweis oder Reisepass und gegebenenfalls einen Nachweis der Verwandtschaft, etwa eine Geburts- oder Heiratsurkunde. Wer für eine andere Person bestellt, legt eine Vollmacht bei. Für die Beurkundung gilt außerdem: Fremdsprachige Dokumente müssen nach Angaben der Stadt München in internationaler Form vorliegen oder von einem beeidigten Übersetzer übersetzt sein.
Was kostet eine Sterbeurkunde?
Die Gebühren unterscheiden sich je nach Ort. Zwei Beispiele aus großen Städten (Stand: Oktober 2026):
Berlin: 12 Euro für die Sterbeurkunde, 12 Euro für die mehrsprachige oder internationale Sterbeurkunde, 6 Euro für jede weitere gleiche Urkunde, die gleichzeitig ausgestellt wird. Sterbeurkunden für Zwecke der Sozialversicherung, etwa für die Rente, sind gebührenfrei.
München: 12 Euro je Urkunde für private Zwecke. Für die Krankenkasse und die Rentenversicherung gibt es je eine gebührenfreie Urkunde.
Fragen Sie deshalb ausdrücklich nach den gebührenfreien Exemplaren für Rente und Krankenkasse. Gerade wenn Sie eine Witwen- oder Witwerrente beantragen, sparen Sie so Geld.
Kann man eine Sterbeurkunde online beantragen?
Ja, zum Beispiel in Berlin und München. In Berlin führt das Service-Portal zu einem Online-Antrag, bezahlt wird per Kreditkarte oder Überweisung, und die Urkunden kommen per Post. Voraussetzung ist, dass Sie das zuständige Standesamt kennen. München bietet ebenfalls eine Online-Bestellung an und verschickt die Urkunden auch ins Ausland.
Wie schnell es geht, hängt davon ab, ob der Sterbefall schon beurkundet ist. München bemüht sich nach eigenen Angaben, Sterbefälle in der Regel innerhalb von fünf Werktagen zu bearbeiten, sobald alle Unterlagen vollständig vorliegen. Fehlt ein Dokument, etwa die Heiratsurkunde, verzögert sich alles.
Wie viele Sterbeurkunden brauchen Sie?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Überlegen Sie, bei welchen Stellen die verstorbene Person Verträge oder Ansprüche hatte. Typischerweise fragen diese Stellen nach einer Sterbeurkunde:
Rentenversicherung und Krankenkasse
Banken und Sparkassen, siehe unseren Beitrag zum Konto einer verstorbenen Person
Lebens-, Unfall- und Sterbegeldversicherungen
das Nachlassgericht, wenn Sie einen Erbschein beantragen
Vermieter, Arbeitgeber, Versorgungswerke und Pensionskassen
Manche Stellen geben das Original zurück oder akzeptieren eine Kopie, andere behalten die Urkunde. Fragen Sie im Zweifel vorher nach. Es kann sich lohnen, gleich mehrere Exemplare zu bestellen: In Berlin kostet jede weitere gleichzeitig ausgestellte Urkunde nur die Hälfte. Später nachbestellen können Sie trotzdem jederzeit. Notieren Sie sich, an welche Stelle Sie wann eine Urkunde geschickt haben. So behalten Sie den Überblick, wenn Rückfragen kommen.
Was ist eine internationale Sterbeurkunde?
Wenn Sie die Sterbeurkunde im Ausland vorlegen müssen, etwa für ein Konto, eine Immobilie oder eine Rente in einem anderen Land, gibt es mehrsprachige Fassungen. Berlin stellt eine mehrsprachige oder internationale Sterbeurkunde für 12 Euro aus. Für EU-Staaten gibt es zusätzlich ein mehrsprachiges Formular nach der Verordnung (EU) 2016/1191, das nach der Leistungsbeschreibung der Verwaltung die sonst nötige Übersetzung der deutschen Sterbeurkunde ersetzt.
Für Länder außerhalb der EU kann je nach Land zusätzlich eine Apostille oder eine Legalisation nötig sein. Zuständig ist eine Behörde des jeweiligen Bundeslandes, in München zum Beispiel die Regierung von Oberbayern. Fragen Sie am besten bei der Stelle im Ausland nach, welche Form sie verlangt, bevor Sie Urkunden bestellen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Todesbescheinigung und Sterbeurkunde?
Die Todesbescheinigung stellt eine Ärztin oder ein Arzt nach der Leichenschau aus, die Einzelheiten regeln die Bestattungsgesetze der Länder. Sie ist die Grundlage für die Beurkundung. Die Sterbeurkunde ist das amtliche Dokument des Standesamts mit Namen, Geburtsdaten, letztem Wohnsitz, Familienstand sowie Ort und Zeitpunkt des Todes, wie es § 60 PStG vorsieht.
Wie lange dauert es, bis die Sterbeurkunde da ist?
Das hängt vom Standesamt ab. München strebt in der Regel fünf Werktage an, sobald alle Unterlagen vorliegen. Hinzu kommt der Postweg.
Bekomme ich eine Sterbeurkunde für einen lange zurückliegenden Todesfall?
Ja, beim Standesamt des damaligen Sterbeorts. Bei älteren Fällen kann das Register an ein Archiv abgegeben worden sein. In Berlin ist zum Beispiel für Sterbefälle, die mehr als 30 Jahre zurückliegen, das Landesarchiv zuständig.
Darf ich als Lebensgefährte eine Sterbeurkunde beantragen?
Nur mit einem rechtlichen Interesse, etwa wenn Sie im Testament bedacht sind, oder mit einer Vollmacht einer berechtigten Person. Ohne Trauschein oder eingetragene Partnerschaft gehören Sie nicht zu den Personen, die nach § 62 PStG ohne weiteren Nachweis eine Urkunde erhalten.
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