
Viele Menschen möchten ihren Angehörigen später keine Rechnung für die Beerdigung hinterlassen. Eine Sterbegeldversicherung ist eine kleine Lebensversicherung, die beim Tod eine feste Summe auszahlt, nach Angaben der Verbraucherzentrale meist zwischen 4.000 und 10.000 Euro. Ob sie sich lohnt, hängt vor allem vom Alter beim Abschluss ab: Gerade wer spät einsteigt, zahlt häufig mehr ein, als später ausgezahlt wird.
Was ist eine Sterbegeldversicherung?
Eine Sterbegeldversicherung ist nach Darstellung der Verbraucherzentrale (Stand: August 2026) in der Regel eine Form der Kapital-Lebensversicherung. Sie zahlen über Jahre einen monatlichen Beitrag, und im Todesfall erhält die von Ihnen benannte Person die vereinbarte Versicherungssumme. Angeboten wird sie von fast allen Lebensversicherern und von Sterbekassen. Typische Versicherungssummen liegen zwischen 4.000 und 10.000 Euro.
Der Gedanke dahinter ist verständlich. Die Kosten der Beerdigung trägt nach § 1968 BGB der Erbe, und eine Bestattung kostet schnell mehrere tausend Euro. Die Verbraucherzentrale nennt für eine einfache Beerdigung 3.000 bis 5.000 Euro. Wie sich die Kosten zusammensetzen, lesen Sie in unserem Beitrag zu den Beerdigungskosten. Rechtlich ist die Sterbegeldversicherung aber nicht an die Bestattung gebunden: Die bezugsberechtigte Person bekommt das Geld und entscheidet selbst, wofür sie es verwendet.
Wie funktionieren Wartezeit und Gesundheitsfragen?
Viele Tarife verzichten auf Gesundheitsfragen und arbeiten stattdessen mit einer Wartezeit. Stiftung Warentest hat in ihrem Vergleich von 32 Sterbegeldversicherungen (Januar 2024) festgestellt, dass 27 Angebote eine Wartezeit haben. Die volle Versicherungssumme wird dort je nach Versicherer frühestens nach ein, zwei oder drei Jahren Laufzeit gezahlt. Stirbt die versicherte Person früher, leisten manche Versicherer anteilig. Die übrigen fünf Angebote boten sofortigen Schutz, setzten dafür aber eine Gesundheitsprüfung voraus.
Wie sich eine Wartezeit konkret auswirkt, zeigt ein Beispiel der Verbraucherzentrale Hamburg: In dem dort beschriebenen Vertrag erhalten die Angehörigen in den ersten drei Jahren nur die bis dahin gezahlten Beiträge zurück. Lesen Sie deshalb vor dem Abschluss genau, was im ersten, zweiten und dritten Jahr tatsächlich ausgezahlt wird, und ob es Ausnahmen gibt.
Lohnt sich eine Sterbegeldversicherung?
Für viele Menschen rechnet sie sich nicht. Die Verbraucherzentrale Hamburg rechnet in ihrem Beispiel mit einem 66-Jährigen, der 8.000 Euro Bestattungskosten absichern möchte. Er zahlt 19 Jahre lang 56,52 Euro im Monat, dazu einmalig 312,46 Euro Abschluss- und Vertriebskosten und jährlich 72,88 Euro Verwaltungskosten, insgesamt fast 13.000 Euro. Ausgezahlt werden 8.000 Euro. Rechnerisch lohnt sich der Vertrag in diesem Beispiel nur, wenn der Versicherte innerhalb von etwa elf Jahren stirbt.
Stiftung Warentest kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. In ihrer Pressemitteilung vom 17. Januar 2024 heißt es, Sterbegeldversicherungen seien finanziell nur für wenige Menschen sinnvoll. Wer bis zum Ende der Beitragszahlung lebt, zahlt in der Regel mehr ein, als ausgezahlt wird. Die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich davon ab, im Rentenalter oder kurz davor eine Sterbegeldversicherung abzuschließen. Je älter Sie beim Abschluss sind, desto höher ist der Beitrag.
Das heißt nicht, dass ein Vertrag nie passt. Für Menschen, denen es schwerfällt, Geld zurückzulegen, ohne es anzutasten, kann die feste Bindung ein Vorteil sein. Wichtig ist, dass Sie den Gesamtbeitrag über die gesamte Laufzeit mit der Versicherungssumme vergleichen, nicht nur den Monatsbeitrag.
Welche Alternativen zur Sterbegeldversicherung gibt es?
Es gibt mehrere Wege, für die eigene Bestattung vorzusorgen. Welcher passt, hängt davon ab, wie alt Sie sind, wie viel Sie zurücklegen können und wie verbindlich die Vorsorge sein soll.
Eigener Sparplan: Ein Tagesgeldkonto, Banksparplan oder Sparbuch bleibt flexibel, und es werden keine Kosten vom Ersparten abgezogen. Stiftung Warentest hält das Sparen auf einem Tagesgeld- oder Sperrkonto rein finanziell meist für attraktiver.
Bestattungsvorsorgevertrag mit Treuhand: Sie vereinbaren mit einem Bestattungsinstitut Ihrer Wahl Art und Umfang der Bestattung und einen festen Betrag. Die Verbraucherzentrale warnt, das Geld keinesfalls auf das Konto des Bestatters einzuzahlen, sondern ein Treuhandkonto oder ein Sparbuch mit Sperrvermerk zu nutzen.
Risikolebensversicherung: Für jüngere Menschen hält die Verbraucherzentrale Hamburg eine Risikolebensversicherung für die bessere Wahl. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Lebensversicherung im Todesfall.
Vorhandene Ansprüche prüfen: Beamtinnen und Beamte des Bundes und einiger Länder sowie Mitglieder mancher berufsständischer Versorgungswerke erhalten teilweise bereits ein Sterbegeld.
Viele Menschen kombinieren eine finanzielle Lösung mit schriftlich festgehaltenen Wünschen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die gewünschte Bestattungsform aufzuschreiben und so aufzubewahren, dass sie im Todesfall leicht gefunden wird.
Ist Sterbegeld beim Sozialamt geschützt?
Wer Sozialhilfe beantragt, muss grundsätzlich zuerst sein eigenes Vermögen einsetzen. Eine Ausnahme gilt nach § 90 Abs. 3 SGB XII, wenn der Einsatz eine Härte bedeuten würde. Das Bundessozialgericht hat im Urteil vom 18. März 2008 (B 8/9b SO 9/06 R) entschieden, dass Vermögen für eine angemessene Bestattungsvorsorge unter diese Härteregelung fallen kann.
Nach Angaben der Verbraucherzentrale werden Beiträge zur Sterbegeldversicherung oft anerkannt, vor allem wenn der Vertrag vor Eintritt der Hilfebedürftigkeit abgeschlossen wurde. Die Summe muss angemessen sein, und das Geld muss nachweislich für die Bestattung bestimmt sein, zum Beispiel über einen Vorsorgevertrag mit einem Bestattungsinstitut. Was als angemessen gilt, entscheidet das Sozialamt im Einzelfall. Fragen Sie dort nach, bevor Sie einen Vertrag abschließen oder kündigen.
Wer bekommt das Geld, und fällt Erbschaftsteuer an?
Im Vertrag legen Sie fest, wer das Sterbegeld erhält. Nach § 159 VVG können Sie die bezugsberechtigte Person ohne Zustimmung des Versicherers bestimmen und später austauschen. Bei einem widerruflichen Bezugsrecht entsteht der Anspruch erst mit dem Todesfall, bei einem unwiderruflichen sofort. Prüfen Sie nach einer Trennung, Heirat oder einem Todesfall in der Familie, ob die eingetragene Person noch stimmt.
Erbschaftsteuerlich gilt eine Leistung, die ein Dritter beim Tod aufgrund eines Vertrags der verstorbenen Person unmittelbar erwirbt, als Erwerb von Todes wegen (§ 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG). In der Praxis bleibt Sterbegeld trotzdem meist steuerfrei, weil schon der niedrigste persönliche Freibetrag nach § 16 ErbStG 20.000 Euro beträgt. Der Freibetrag gilt allerdings für alles, was Sie von derselben Person erhalten, also auch für ein gleichzeitiges Erbe. Für Ehepartner liegt er bei 500.000 Euro, für Kinder bei 400.000 Euro.
Worauf sollten Sie vor dem Abschluss achten?
Wenn Sie sich nach dem Vergleich mit den Alternativen für eine Sterbegeldversicherung entscheiden, lohnt ein genauer Blick in die Vertragsunterlagen. Diese Fragen helfen beim Vergleich:
Wie viel zahle ich über die gesamte Laufzeit ein, und wie hoch ist die Versicherungssumme?
Wie lange ist die Wartezeit, und was wird gezahlt, wenn ich in den ersten Jahren sterbe?
Was passiert, wenn ich die Beiträge einmal nicht zahlen kann? Ist eine Beitragsfreistellung möglich?
Handelt es sich um eine Versicherungsgesellschaft oder eine Sterbekasse? Sterbekassen haben laut Verbraucherzentrale keinen Insolvenzschutz wie Versicherer.
Wer ist als bezugsberechtigte Person eingetragen?
Lassen Sie sich nicht von Werbeversprechen unter Druck setzen, nach denen Ihre Familie für die Beerdigung gar nichts mehr zahlen muss. Die Verbraucherzentrale Hamburg stellt klar, dass das auch mit der besten Versicherung nicht stimmt. Und Sie haben Bedenkzeit: Bei Lebensversicherungen beträgt die Widerrufsfrist nach § 152 Abs. 1 VVG 30 Tage.
Häufige Fragen
Gibt es eine Sterbegeldversicherung ohne Gesundheitsfragen?
Ja, in den Tests von Stiftung Warentest war das sogar die Regel. Im Gegenzug gilt meist eine Wartezeit von ein bis drei Jahren, in der nicht die volle Summe ausgezahlt wird. Tarife mit Sofortschutz verlangen in der Regel eine Gesundheitsprüfung.
Ist eine Sterbegeldversicherung pfändungssicher?
Nur bis zu einer Grenze. Ansprüche aus Lebensversicherungen, die nur auf den Todesfall abgeschlossen sind, sind nach § 850b Abs. 1 Nr. 4 ZPO grundsätzlich unpfändbar, wenn die Versicherungssumme 5.400 Euro nicht übersteigt. Auch dann gibt es gesetzliche Ausnahmen.
Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?
Orientieren Sie sich an der Bestattung, die Sie sich wünschen, und holen Sie Angebote mehrerer Bestatter ein. Die Kosten hängen stark von Bestattungsform, Friedhof und Region ab.
Bekommen Angehörige das Geld auch, wenn sie das Erbe ausschlagen?
Das Sterbegeld fließt bei einem wirksamen Bezugsrecht direkt an die benannte Person und nicht in den Nachlass. Ob im Einzelfall Bestattungskosten trotz Ausschlagung zu tragen sind, richtet sich nach dem Bestattungsrecht des jeweiligen Bundeslandes.
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